Sonntag, 20. August 2017

Leseprobe - Nachbar 9

❤️💙💚💛💜 ... Soon ... 💜💛💚💙❤️

Die Korrektur ist durch, meine Rezi-Leser haben Post bekommen und schon bald gibt es auch für euch ein neues Nachbar-Schmankerl auf die Lachmuskeln.

Und da ich immer ein lieber Schreiberling bin (okay, manchmal *hihi*), zeige ich euch doch gleich mal, was euch Mitte September erwartet. ;-)

*drück euch alle mal*
Matty



#EinStorchenfelskommtseltenallein #Leseprobe

Gestatten? Mein Name ist Theodor Heinrich Winfred Mechtenholm, der Dritte.
Ja, ihr lest ganz richtig, und auf den nummerischen Nachsatz bestehen meine Eltern, auch wenn ich mich bis heute frage, was der liebe Gott sich vor einunddreißig Jahren dabei gedacht hat, den Storch auf dem Schlosshof meiner Familie bruchlanden zu lassen. Ich war nämlich nicht geplant.

Nun ja, eigentlich bin ich ein kleines Wunder, denn mein Vater hatte sich mit Mitte vierzig sterilisieren lassen, weil er der Meinung war, seine Arbeit mit sechs lebhaften Söhnen getan zu haben. Aber meine Mutter, ein übriggebliebenes Blumenkind, das selbst mit Ende sechzig gerne noch heimlich einen Joint raucht, war der Meinung, dass man das Leben – ihrer Meinung nach eine stets volle Dose mit bunten Überraschungspralinen – nehmen soll, wie es eben kommt, und da meine Eltern stinkreich sind, fiel ein siebter Sohn nun wirklich nicht ins Gewicht.
Jedenfalls nicht für sie, mich hat keiner gefragt. Tut bis heute niemand und ihr habt keine Vorstellung, was es heißt, mit der verrückten Bande zusammenzuleben. Mittlerweile sind meine Brüder nämlich alle verheiratet und haben Kinder, sowohl eigene als auch adoptierte, und ein paar wurden sogar irgendwo auf der Straße aufgelesen, mitgenommen und nicht mehr weggelassen.
Wie dem auch sei, in unserer kleinen Burg – das Ding hat fünfzig Zimmer, aber Papa nennt es gemütlich und gerade ausreichend – leben mittlerweile dreißig Leute. Glaube ich. Die letzte Zählung fand Weihnachten statt und da habe ich mich erfolgreich gedrückt, um mit Teddy – meinem ehemaligen Studentenzimmernachbarn – feiern zu gehen. Das Ergebnis davon war ein Kater von der Größe eines ausgewachsenen Sibirischen Tigers und die späte Einsicht, dass es keine gute Idee war, besoffen mit einem Lederdaddy mitzugehen, der meinen Hintern extrascharf fand.
Keine Sorge, er hat nichts gegen meinen Willen getan, nur brannte mein Arsch noch eine Woche später von seinem etwas zu groß geratenen Spielzeug, und erklärt ihr mal eurer Mutter, warum ihr nur mit Sitzkissen am Küchentisch Platz nehmen könnt.
Das Schlimmste dabei war nicht mal, dass sie sich vor Lachen ausgeschüttet hat, meine Mama ist nämlich sehr tolerant und hat mir, als ich süße fünfzehn war, meinen ersten Freund organisiert, weil ich einfach nicht schnallte, dass es einen Grund dafür gibt, dass ich Mädchen doof finde.
Matty, also eigentlich Matthias Klaus Wolfram zu Lichtengrau – meine Eltern kennen nur Leute mit derart verrückten Namen, keine Ahnung wieso –, war damals schon siebzehn Jahre alt, viel erfahrener als ich und fand mich niedlich. Diese Niedlichkeit hielt knappe drei Jahre an, dann ging er zur Armee, wurde für eine Fortbildung kurzerhand in die USA verschifft und hat dort ein Jahr später seinen Captain Jack geheiratet. Ein wirklich geiler Typ, der eine auffällige Ähnlichkeit mit John Barrowman hat. Und ja, er heißt wirklich Jack, das habe ich mir nicht ausgedacht.
Jedenfalls war ich eine Woche lang am Boden zerstört, dann schleppten mich meine Brüder in eine angesagte Schwulenbar in der Stadt und ich stellte fest, dass es jede Menge Mattys gibt, nur mit anderen Namen. Die Zeiten, in denen ich als niedlich und unschuldig betitelt wurde, waren nach diesem Abend ruckzuck vorbei.
Ach ja, nur zu eurer Information, ich bin der einzige Regenbogenträger in meiner Familie, aber entgegen der sich hartnäckig haltenden, landläufigen Meinung führte das weder zu einem großen Familiendrama, noch gab es anderweitig Tote und Verletzte zu beklagen.
In manchen Dingen ist es nämlich sehr praktisch das Küken einer uralten Adelsfamilie zu sein, die sich heute in etwa so adlig aufführt, wie Britney Spears oder Stefan Raab. Außer der Nummer hinter unserem Namen und den Millionen auf dem Konto, juckt keinen von uns, dass Uropa Karl Franz ein Graf von Irgendwas war. Ebenso wenig haben unsere liebenden Eltern darauf bestanden, standesgemäß passende Frauen für uns zu finden oder anderen Unsinn betrieben, der früher so gang und gäbe war, wenn es darum ging, die eigenen Kinder möglichst gewinnbringend an den Mann oder die Frau zu bringen.
Ganz ehrlich, ich habe mich nie näher mit der langen Familiengeschichte der Mechtenholms beschäftigt, weil mein Vater es für unnütz hielt, mein Mutter lieber Gras rauchte und ich unsere zweistöckige Bibliothek weitaus interessanter fand, als den verblichenen Grafen.
Heute bin ich studierter Doktor Hanswurst, suche für Sammler auf der ganzen Welt seltene und teure Bücher, restauriere sie, wenn nötig, und kriege sonst wenig von der Welt außerhalb der heimeligen Burgmauern mit.
Was ich allerdings sehr schnell bemerkt habe ist die Tatsache, dass Mama und Papa langsam der Meinung zu sein scheinen, ich wäre jetzt im heiratsfähigen Alter. Sie hatten damals auf Matty gehofft, aber ihr wisst ja, der ist glücklich vergeben. Worüber ich ganz froh bin, denn ich mag mein Singleleben, den lockeren Sex in den Clubs – wenn ich mich dazu aufraffen kann hinzufahren und es mir so richtig besorgen zu lassen –, und auch die Annehmlichkeiten, wenn man Gärtner, Zimmermädchen und natürlich einen Familienkoch sein eigen nennt.
Würden wir uns von Mama verköstigen lassen, lägen wir alle längst unter der Erde. Sie ist zwar ein Genie im Garten, aber in der Küche – schweigen wir lieber drüber. Meine Brüder erzählen ihren Kindern heute noch wahre Horrorgeschichten über diverse Geburtstagskuchen und Kekse, die seltsam schmeckten und bei den anwesenden Partygästen für auffällig gute Laune sorgten.
Wo war ich?